Antonia LitzenbergReportage über junge Tiger(s)

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Von Antonia Litzenberg · Veröffentlicht am 29. Jul 2010 - 19:06 Uhr


 

Vor einiger Zeit hatten wir an der Schule ein Projekt, in dem es um Medien ging, unter anderem Zeitungen, journalistische Darstellungsformen, den Umgang mit Sprache und vieles mehr. Wir alle waren aufgefordert einen Artikel zu schreiben. Ich habe mich an einer Reportage über die U14-Mannschaft der Ascherslebener Tigers, einer Basketballmannschaft, versucht, die ich euch nicht vorenthalten möchte.

„Korbleger, los!“

Wie die Jugend das Basketballspielen lernt

Eine Reportage von Antonia Litzenberg

„Ich bin K.O.“, sagt Florian Herms und wirkt dabei tatsächlich müde. Er betritt hinter mir die Sporthalle des ehemaligen Ascaneums. K.O. sei er aber nicht vom Baskettballtraining, verrät er weiter. Das liegt schließlich erst noch vor ihm. Nein, die Schule hat ihn sehr angestrengt.

Florian ist einer von 24 Jugendlichen, die an diesem – wie an jedem anderen – Mittwochnachmittag zum Training kommen. Wer jünger als 14 oder 16 ist, also zu den Alterklassen U14 und U16 gehört, kann nämlich bei den „Aschersleben Tigers“ das Basketballspielen lernen.

Die „Tigers“ sind in Aschersleben und Umgebung keine Unbekannten. Die Männermannschaft ist ein erfolgreiches Basketballteam, das aus Ascherslebenern, Quedlinburgern und anderen guten Spielern besteht. „Zurzeit haben sie eine Glückssträhne und sind in Top-Form“, erklärt Florian begeistert und fachkundig, während er sich in die Umkleide der Jungs verabschiedet. Er geht schon länger hier zum Training und kennt sich aus.

Die U14-Mannschaft der Aschersleben Tigers. Foto: ics-werbung

Quietschende Schuhe und das Dribbeln der Bälle sind laut durch die geschlossene Tür der Mädchenumkleideräume zu hören. Ich hatte mich dem weiblichen Basketballnachwuchs angeschlossen. Logisch! Die 15 Jungs waren schneller beim Umziehen und spielen sich auf dem Parkett schon warm.

Als ich auf die Spielfläche gehe, laufen viele knackige – oder besser durchtrainierte – Jungs in Shorts an mir vorbei. Einige der jugendlichen Spieler kenne ich schon aus meiner Schule, dem Gymnasium Stephaneum. Florian ist einer davon. Warmspielen, das bedeutet für die Jungs, gleich vollen Einsatz zu zeigen. Die ersten Schweißperlen stehen einigen schon auf der Stirn. Schweiß, Gummi von den Sohlen, das Holz des Parketts: Turnhallen riechen überall gleich. So auch diese.

Ich bin das erste Mal dabei, habe keine Ahnung, was auf mich zukommen wird. Die beste Anlaufstelle in so einer Situation ist natürlich der Trainer. Ein eher kleiner, stämmiger Mann in einer lässig an ihm hängenden, schwarzen Trainingshose und einem dafür sehr eng an seinem basketballrunden Bauch anliegenden grauen T-Shirt steht in der Mitte der Halle. Mal brüllt er dort jemandem etwas zu, mal geht er zu einem der Spieler und gibt etwas leisere Tipps. Das ist sicher der Trainer.

„Schön, dass du da bist“, begrüßt er mich freundlich. Und sagt weiter: „Geh erstmal zu den anderen Mädchen. Die erklären dir dann alles“. Lisa Schneider nimmt sich meiner an. „Heute trainiert uns ,Robbe‘“, berichtet die kleine, 13jährige Blondine aufgeregt. Auch die anderen Mädchen sind ganz aus dem Häuschen. „Robbe“ ist Kapitän der U16-Mannschaft der „Tigers“. Er ist groß, schlank, hat blonde, verwuschelte und etwas längere Haare. Kurz: ein ziemlich süßer Typ. Das erklärt auch die Aufregung der Mädels. Natürlich heißt er nicht „Robbe“, sondern Robin.

„Da kommt er“, tuschelt Lisa und weist mit dem Kopf in Richtung Eingangstür. „Hi“, begrüßt der lässige Robin die gackernden Mädchen. Er fragt, wer neu dabei sei und was die Mädels sonst beim Training alles gemacht hätten. „Mal was ganz anderes, ohne die Jungs zu trainieren“, sagt Lisa zu mir. Sehr glücklich ist sie darüber nicht. Mit den Jungs sei es immer ziemlich witzig, berichtet sie und beweist es sofort: „Hey Flöchen, zeig uns dein Popöchen“, ruft sie keck Florian zu, der an uns vorbeidribbelt. Er lacht und macht den Basketballfehler schlechthin: er verliert den Ball. Das will was heißen, denn er ist schließlich eins der Nachwuchstalente der „Tigers“.
Aber: So leicht können Mädchen auch gute Spieler aus dem Konzept bringen…

Doch nun ist Training angesagt. „Zeigt mir mal, was ihr schon so draufhabt. Korbleger, los“, fordert Robin uns auf. Für Lisa kein Problem, sie ist schon seit etwa fünf Jahren dabei. Bei mir sieht das schon anders aus. Trainer „Robbe“ bemängelt meine Schrittfolge – „aber fürs erste Mal prima“, motiviert er. Dann geht es Schlag auf Schlag: erst Grundübungen, dann Technikübungen, wie Korbleger und Dribbling. Robin sagt, wie wir uns verbessern können und was wir ändern sollten.

Zwischendurch entstehen auch kurze Pausen. Zeit genug, damit sich die Mädchen über Schule, Jungs und andere Probleme austauschen können. Dabei verdreht Robin nur die Augen und meint kopfschüttelnd, „Mädchen!“. Alle lachen.

„Ihr müsst beim Dribbeln breitbeinig stehen und dabei euren Po rausstrecken, damit ihr eine bessere Haltung habt“, erklärt der junge Trainer. Die Mädchen finden das natürlich witzig und versichern sich während dieser Erklärungen und ihrer Umsetzung, dass die Jungs nicht zu ihnen gucken. Das wäre ja peinlich.

Nach 90 anstrengenden aber auch lustigen Minuten ist Schluss. „Wenn du Lust hast, komm doch Freitag wieder“, lädt Florian mich am Ende ein. Immer von 16 bis 17.30 Uhr wird mittwochs im Ascaneum und freitags im Ballhaus trainiert. „Und wenn du da nicht kannst, kommst du einfach nur mittwochs. Das läuft hier ganz locker“, setzt Lisa hinzu.

„Jetzt bin ich aber wirklich K.O.“, verabschiedet sich schließlich Florian so, wie er mich begrüßt hatte.

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