Luftbilder: Was fließt da in den Unglückssee?
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Von Marko Litzenberg · Veröffentlicht am 19. Jul 2010 - 01:20 Uhr
Bei manchen Fotos muss man zwei Mal hinschauen, ehe man versteht was abgebildet ist. Bei den Bildern, die Fotograf Thomas Tobis am 17. Juli 2010 aufgenommen hat, ist das so. Man sieht den Concordiasee, die Unglücksstelle von Nachterstedt und … und irgendetwas, was in den See fließt. Breit, massiv und anscheinend so schnell, dass es Schlamm mittragen kann. Was ist das?
Am Sonntag, 18. Juli, wurde in Nachterstedt an die Erdrutschkatastrophe gedacht, die sich nun zum ersten Mal jährte und bei der seinerzeit drei Menschen starben (siehe den Beitrag “Gedenken zum Jahrestag der Katastrophe” dazu). Einen Tag zuvor, am Samstag dem 17. Juli 2010, setzte sich Fotograf Thomas Tobis in ein Flugzeug und überflog den Corcordiasee, angetrieben vom Ehrgeiz des ambitionierten Hobbyfotografen, schöne Luftaufnahmen mit nach Hause zu bringen. Was er aber mitbrachte, macht auch ein bisschen Angst – zumal es übers Wochenende keine Antworten auf die Fragen gab, die die Fotos aufwerfen.
Zwei Bilder sollen hier einmal gesondert herausgegriffen werden, diese und einige andere finden sie ebenso in der Fotostrecke: Luftaufnahmen Concordiasee.
Zu sehen ist auf Bild 1 zunächst rechts der Ort Nachterstedt, direkt im Vordergrund ist das Unglücksgebiet zu sehen. Links im Hintergrund erkennt man noch Frose sowie den kleineren Tagebausee bei Frose.
Verlängert man jetzt die Achse vom Froser See zum Concordiasee ist deutlich am linken Rand des Abbruchgebietes direkt im See eine Wasserverfärbung zu sehen.
Deutlicher wird das Ganze auf Bild 2. Wie ein Pilz breitet sich im See eine anders gefärbte Flüssigkeit aus. Es handelt sich dabei, das dürften selbst Laien wie ich erkennen, ebenfalls um Wasser das Sedimente mit sich trägt und vom Ufer ausgehend in Richtung Wasserfläche unterwegs ist. Vergleichsbilder anderer aktueller Luftaufnahmen zeigen, dass diese – nennen wir es mal – “Schlammspülung” eine Woche zuvor dort so ausgeprägt noch nicht vorhanden war.
Um große Mengen Regenwasser, das sich seinen Weg in den See bahnt, kann es sich nicht handeln. Die vergangenen Tage vor dem 17. Juli waren vergleichsweise trocken, der Samstag selbst war auch weitgehend windstill. Auf dem oberen Bild erkennt man zudem, dass es sich um ein lokales Phänomen handelt – in direkter Achse zum Froser Tagebausee.
Was das bedeutet, konnte am Wochenende nicht ermittelt werden. Wollte man spekulieren, könnte man sagen, dass es sich um einen größeren plötzlichen Grundwasseraustritt handelt, bei dem größere Mengen Gestein/Sand/Schlamm in den Concordiasee gespült wurden. Oder: Gab es eine weitere kleinere Rutschung? An einer Böschungskante jedoch, die vergleichsweise abgeflacht ist, im Gegensatz zur deutlich steileren Abbruchkante in Richtung Nachterstedt? Was genau ist da am und im See noch in Bewegung?
Geologen und Fachleute müssen diese Fragen klären. Ein Weblog kann das nicht. Jedoch kann ein Weblog wie eineblick.de die Frage aufwerfen, ob es angesichts dieser Bilder tatsächlich ratsam wäre, den See vorzeitig und schnell wieder einer Nutzung zuzuführen, wie es der Förderkreis Seeland kürzlich nachdrücklich und öffentlich gefordert hat (siehe Beitrag der MZ dazu)?
Der Förderkreis Seeland hatte Ähnliches übrigens schon 1995 gefordert: Bergsicherheit außer Acht lassen, dafür lieber schnell den Tourismus und die Wirtschaft am See ankurbeln (siehe eineblick.de-Beitrag: “Nachterstedt: Geld wichtiger als Leben?“). Die vollmundigen Versprechungen seinerzeit über die Schaffung neuer Arbeitsplätze wurden nie auch nur im Entferntesten eingehalten. Gleiche Glaubwürdigkeit darf man deshalb auch jetzt unterstellen, wenn auf Seite des Förderkreises von notleidenden Investoren am Rande des Sees die Rede ist. Oder gar von 40 Booten, die am Bootsanleger auf Schadelebener Seeseite am Steg gelegen haben sollen. Eingerechnet waren darin wohl auch – großzügig aufgerundet – die Ausleih-Tretboote und die Gummiboote der Badegäste.
Spiegel-Online hat sich anlässlich des Jahrestages des Unglücks noch einmal intensiver mit dem Thema Nachterstedt in einem ausführlichen Beitrag auseinandergesetzt.






Lassen wir den Beitrag doch nochmals nach vorn rutschen!;-)
Ich las Erklärendes zu den Fotos im SUPER SONNTAG, von offizieller Seite war hier aber ebenso wenig zu vernehmen wie in diesem und in anderem Zusammenhang vom Förderkreis Seeland e. V.. Dieser antwortete offenbar weder auf Ihre Anfrage vom 5. Juli noch auf meine vom 20. Juli. Mit “Würstchen” redet man nicht, da muss schon ein MdB ran!
Und heute las ich im WOCHENSPIEGEL, dass es eine BI “Rettet Seeland!” beim Förderkreis geben soll. Allein so sicher nicht, dazu bedarf es auch einer aufgeklärten Öffentlichkeit!
Es ist schon erstaunlich was man so alles aus der Luft sehen kann. Ganz tolle Aufnahmen. Die Beiträge zu Nachterstedt sind sehr gut. Erstaunlich jedoch: kein Verantwortlicher reagiert dazu oder geht dem Gesehenen nach.
Ich bin der Meinung, nur wenn es eine EHRLICHE AUFARBEITUNG vom diesem tragischen Unglücksfall gibt – bis dahin, dass man die damaligen Verantwortlichen wenn nötig zur Verantwortung zieht – kann es einen NEUBEGINN geben.
Nun, eineblick.de ist (leider noch
) nicht das Leitmedium in der Region und so kann es durchaus sein, dass die Existenz der Seite nicht überall bekannt ist.
Gleichwohl: Bereits am 5. Juli (also vor Erscheinen des ersten Beitrags) wandte ich mich per Mail an den jetzigen Vorsitzenden des Förderkreises mit einer Interviewanfrage für eineblick.de, um dem Förderkreis Seeland Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben. Diese Interviewanfrage blieb bis heute leider unbeantwortet.
Offensichtlich formulieren die eineblick-Beiträge zum Erdrutsch-Unglück in Nachterstedt auch unangenehme Wahrheiten. Anders ist das Schweigen des Fördervereins und der Verantwortungsträger nicht zu erklären. Oder sollte man darauf spekulieren, dass niemand diesen Blog liest?
Finde es eine Frechheit, was sich hier abspielt. Hier werden Menschenleben gefährdet. Tourismus kann man hier nicht mehr entwickeln. Diese sogenannten Experten haben doch in Wirklichkeit keine Ahnung. Warum dauert es denn so lange bis die Ursachen ermittelt werden? Ich traue hier niemanden mehr. Haltet euch dort fern. Schade um die Steuergelder.