Gedenken zum Jahrestag der Katastrophe
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Von Marko Litzenberg · Veröffentlicht am 19. Jul 2010 - 00:18 Uhr
Erinnern und mahnen – nach vorn schauen ohne zu vergessen: Das war der zugleich traurige wie in die Zukunft gewandte Grundton während der Gedenkfeierlichkeiten zum Jahrestag der Erdrutschkatastrophe bei Nachterstedt. Am 18. Juli 2009 war in den frühen Morgenstunden ein ganzer Berghang ins Rutschen geraten, hatte drei Menschen, eineinhalb Häuser, das sichere Zuhause und die Habe von 42 Bürgern sowie die Hoffnung einer ganzen Region in die Tiefe gerissen.
Viele Menschen, die zum Gedenkgottesdienst sowie zur Gedenkfeier nach Nachterstedt gekommen waren, hatten die Erinnerungen an jenen 18. Juli vor genau einem Jahr vor Augen, als sei es erst gestern geschehen. Hilfskräfte überall, ratlose und verängstigte Menschen ebenso wie jene auf den Straßen des kleinen Ortes, die unterstützen wollten. Und immer wieder Fragen: Wo ist mein Nachbar? Können die Verschütteten geborgen werden? Wann können wir wieder nach Hause? Und: Warum? Vor allem diese Frage: Warum?
Keine dieser Fragen, vor allem aber letztere, sind zweifelsfrei geklärt – auch ein Jahr nach dem Unglück nicht. Der Erdrutsch am Rande eines Tagebaurestloches, das zu einem Erholungsareal werden sollte, war nicht nur eine Katastrophe für die Familien derer, die ihr Leben verloren oder für jene, die ihr Zuhause innerhalb kürzester Zeit verlassen mussten. Es war eine Katastrophe für eine ganze Region. Genau deshalb war die Anteilnahme vor einem Jahr so groß und auch heute beim Gedenken an jenen 18. Juli 2009.
Wo der Mensch in die Schöpfung eingreife, müsse er es behutsam tun, hieß es im Gottesdienst. Erinnern an das Unglück und trotzdem nach vorn schauen, das sei die Aufgabe der Menschen, ermunterte Wirtschaftsminister Reiner Haseloff sodann bei der Enthüllung der Gedenkstätte für die Opfer des Erdrutsches.
Diese Gedenkstätte, entworfen vom Architekten Dieter Kienast aus Hoym, symbolisiert die Zerrissenheit der Hoffnungen nach der Katastrophe, aber auch die Standfestigkeit der Menschen der Region und ihrer Ziele. Es handelt sich um eine schräg stehende Stahlplatte mit einem symbolisierten Riss. Ein Riss, gefüllt mit einer blauen Glasscheibe.
Eine Gedenkstätte, die man in vielerlei Hinsicht interpretieren kann. Eine Region in Schieflage? Ein Riss in eisernen Plänen, gewaltsam aufgetan durch Wasser, das eingedrungen und schließlich ausgebrochen ist – symbolisiert durch die blaue Scheibe? Wie jedes Kunstwerk lässt auch dieses beim Betrachter mehr Fragen zu, als dass es Antworten gibt.
Und auch wenn so manche der einst gestellten Fragen irgendwann zumindest teilweise beantwortet sein mögen. Eine letzte Frage wird kein Gutachten, keine Bohrung, kein schnelles Weitermachen auf dem Weg zurm Touristenziel beantworten können: Warum?







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