Marko LitzenbergDuMont kennt die Zeitungsmörder

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Von Marko Litzenberg · Veröffentlicht am 12. Dez 2009 - 14:56 Uhr


 

Ah ja! Bloß gut, dass es so alte weise Verleger gibt, wie den 82jährigen Alfred Neven DuMont. An seiner großen Weisheit hat er heute, am 12. Dezember 2009, auch die Leser seiner Zeitung, der “Mitteldeutschen Zeitung”, teilhaben lassen. In einem “Leit-Kommentar” benannte er klar, wen er für den Schuldigen am fortschreitenden Zeitungssterben in Deutschland hält: die Jugend.

Kommentare sind Meinungsbeiträge und insofern vollkommen legitim, wenn sie in einer Zeitung erscheinen. Wenn sich dann aber ein Verleger dazu bemüßigt fühlt, selbst publizistisch und kommentierend tätig zu werden, dann regt das natürlich zum besonderen Nachdenken an. Genau deshalb hat Alfred Neven DuMont, Herausgeber vieler Zeitungen, unter anderem der in Aschersleben erscheinenden “Mitteldeutschen Zeitung”, wohl auch zur Feder gegriffen und dreispaltig das verkündet, was er für angemessen hält in einer Medienkrise.

Aus dem “Leit-Kommentar” wurde jedoch ein “Leid-Kommentar”. Einführend fragt DuMont nämlich gleich im ersten Satz:

Geht nach der weltbewegenden Erfindung des Buchdrucks von Johannes Gutenberg im Jahre 1450 ein die Kultur Europas prägendes Zeitalter zu Ende?

Und im jammernden Unterton setzte er fort:

Die deutschen Tageszeitungen haben in den letzten zehn Jahren im Durchschnitt einen Auflagenverlust von nahezu 20 Prozent ihres damaligen Bestandes hinnehmen müssen, von den Boulevard-Zeitungen weit übertroffen. Die Tendenz geht weiter.

Mir kommen die Tränen!
Sicher, und da stimme ich Alfred Neven DuMont uneingeschränkt zu: Tageszeitungen sind wichtig im komplizierten Gefüge einer Demokratie. Vor allem die Vielfalt der Zeitungen ist wichtig. Doch das vergisst der Herr Verleger zu erwähnen.

Nachdem es Anfang und Mitte der 1990er Jahre vor allem die kleineren Zeitungen in Ostdeutschland erwischte, sie von großen Verlagen – wie eben auch DuMonts – einfach hinweggefegt wurden, geht es jetzt auch den vermeintlich Großen an den Kragen. Das hatten sich die Verleger damals anders gedacht, als sie die einstigen SED-Blätter und deren Abonnenten dank politischer Connections von der Treuhand in einem Stück übernehmen konnten.

Heute brechen Anzeigenumsätze ein, Auflagen bröckeln wirklich dramatisch. Tageszeitungen überleben meist nur, weil es kostenlos verteilte Anzeigenblätter als Tochterunternehmen gibt, die den Geldfluss für die großen Mutterschiffe am Fließen halten.

Und DuMont verkündet in seiner Weisheit auch gleich noch die Schuldigen für die Krise der Tageszeitungen:

Die zum Teil dramatische Zeitungskrise in der westlichen Welt, die vor allem in Amerika wie ein Orkan gewütet hat, wurde hervorgerufen durch die Jugend, die sich der Elektronik zugewandt hat und sich vom gedruckten Wort abwendet.

Und genau hier sitzt Alfred Neven DuMont einem altersstarren Irrtum auf. Nicht die Jugend ist es, die Schuld an der Krise ist. Schuld sind die Herren Verleger nämlich selbst, die in den fetten Jahren versäumt haben, den technischen Anschluss zu halten. Die statt dessen die Redaktionen immer weiter ausgedünnt haben, um in ihrer Gier die Bilanzen noch mehr aufzubessern. Die Qualität der Berichterstattung, vor allem im Lokalen, ist nämlich auch im Hause DuMont nicht gestiegen. Ganz das Gegenteil ist der Fall. Und der Leser, ja vor allem der junge Leser, merkt das natürlich. Er bestellt die Zeitung ab, wenn er sie überhaupt bestellt hatte. Und er wendet sich neuen Informationsquellen zu: zum Beispiel dem Internet.

Guter Journalismus ist im Internet zwar rar gesät, aber der kritische Informationssuchende kann sich aus den Info-Brocken, gesammelt in Blogs, Twitterfeeds, Facebook-Gruppen und anderen Quellen ein eigenes Bild zusammenstellen.

Und die Verleger haben es versäumt neue Geschäftsmodelle für die journalistische Informationsverbreitung zu entwickeln. “Paid Content”, also bezahlter Inhalt, setzte sich nicht durch in der “Kostenlos-Kultur” des Netzes. Und auch neue elektronische Abo-Modelle, getestet seit einigen Tagen von BILD und “Welt” versprechen nicht wirklich zu einem erfolgreichen Ende zu kommen.

Wie also sieht die Zukunft der Zeitungen aus? Ich weiß das leider auch nicht – wüsste ich es, ich hätte die Idee längst umgesetzt und wäre wahrscheinlich reich. Im kommentierenden Lamentieren und Jammern, eine dreispaltige Bleiwüste in der eigenen Zeitung hinterlassend, liegt die Lösung der Tageszeitungsprobleme jedenfalls nicht.

Aber OK – es sei einem alten Verlagshaudegen auch mal gestattet, sich den Frust von der Seele zu schreiben und sich bei seinen Lesern über die düsteren Zukunftsaussichten auszuweinen. Und es sei ihm auch gestattet, sich an die guten alten politischen Connections zu erinnern, in der Hoffnung, dass diese noch etwas reißen könnten:

Es gibt genug Prognosen, die sagen, wenn nicht dagegengesteuert wird, gibt es in 15 oder 20 Jahren keine Tageszeitung mehr in der westlichen Welt. Ist es das, was unsere deutsche Politik im Geheimen erfreuen würde? Ein Stemmen dagegen ist nicht bekannt.

Die Politik wird sich natürlich nicht dagegen stemmen. Den Anfang müssen die Verleger selbst machen, mit deutlich innovativeren Konzepten, als jenen, mit denen sie momentan zumeist im Netz unterwegs sind. Die Papierzeitung ist ein sterbendes Medium. Jetzt müssen neue Ideen her! Und diese Ideen bringt vor allem die hervor, die DuMont in seinem Kommentar als Schuldige ausgemacht hat: die Jugend!

Den kompletten Leid- Leit-Kommentar kann man online hier nachlesen.

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Kommentare

1 Kommentar zu “DuMont kennt die Zeitungsmörder”
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  1. Dr. Detlef Haase schrieb am 13. Dez 2009 um 10:42 Uhr

    So ähnlich mag der Aufschei geklungen haben, als die ersten gedruckten Zeitungen anfingen, die Marktschreier zu verdrängen.
    Aber zumindest hört man jetzt vom Senior selbst, warum die Netzeitung zum Ende des Jahres ihr Erscheinen einstellt. Zuviel Elektronik! Die, die jetzt im Hause NevenDuMont das Sagen haben, entschieden längst anders. Das beweisen die Unternehmensbeteiligungen in nicht wenigen Elektronikunternehmen.
    Man nehme es gelassen: Es ist schon immer so gewesen, dass die Jugend über ihre Informationsmittel und Kommunikationswege selbst entscheidet. Daran ändert auch das Grummeln eine alten Zeitungshaudegens nicht. Und die MZ musste das natürlich drucken, denn: Wer ist hier der Chef?

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