Marko LitzenbergWie teuer darf der Tod sein?

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Von Marko Litzenberg · Veröffentlicht am 02. Dez 2009 - 10:00 Uhr


 

Wieder einmal wird heute im Ascherslebener Stadtrat über die Friedhofsgebühren diskutiert. Und wieder einmal wird die Frage im Raum stehen: Was darf man Angehörigen eines Verstorbenen an finanziellen Belastungen zumuten? Seit zehn Jahren sind die Gebühren auf dem Ascherslebener Friedhof nicht angehoben worden. Jetzt droht allerdings die Kommunalaufsicht des Landkreises mit einer “Ersatzvornahme”, will die Gebühren zwangsweise anheben.

Die Gebühren auf dem Ascherslebener Friedhof sollen steigen. Der Stadtrat wehrt sich noch, hat aber kaum noch eine Alternative. Der Landkreis droht nämlich schon mit zwangsweiser Gebührenanhebung. Foto: li
Die Gebühren auf dem Ascherslebener Friedhof sollen steigen. Der Stadtrat wehrt sich noch, hat aber kaum noch eine Alternative. Der Landkreis droht nämlich schon mit zwangsweiser Gebührenanhebung. Foto: li

In der Tat: Der Tod ist in der Regel sehr teuer. Er kostet nicht nur das Leben, sondern die Angehörigen auch eine ganze Menge Geld für Graberwerb und – unterhaltung. Und das Trauern um ein liebes Familienmitglied gehört letztlich auch zur Kultur des Menschen. Menschheitsgeschichtlich machte es ihn zum Teil auch erst zu einem Menschen, dass er die Verstorbenen der eigenen Art nicht einfach irgendwo zurückließ, sondern sie bestattete und beweinte.

Dennoch: Das Sterben ist keine öffentliche Aufgabe, also nichts, was aus dem Steuersäckel bezahlt werden müsste. So wie es in Aschersleben seit Jahren passiert. Hunderttausende Euro öffentlicher Mittel werden jährlich auf dem Gottesacker im wahrsten Sinne des Wortes “begraben”. Der Landkreis hat deshalb die Stadträte nun ultimativ dazu aufgefordert, kostendeckende Gebühren zu erheben. Weigern sich die Stadtverordneten, dann schreitet die Kommunalaufsicht per “Ersatzvornahme” ein, legt folglich kostendeckende Gebühren fest.

Die Gebühren werden dann zum Beispiel für ein normales Reihengrab, das man für 25 Jahre erwirbt, um knapp 500 Euro steigen. Keine Kleinigkeit, das ist wohl wahr.

Die Lokalpresse widmete sich in den vergangenen Tagen mehrfach diesem Thema und schrieb heute sogar etwas über die Reaktionen der Bevölkerung zu erforderlichen Anhebung der Gebühren. Ein Bürger meinte, er habe Angst vor dem Sterben, vor allem, weil er die finanziellen Belastungen für seine Hinterbliebenen fürchtet.

Vergessen wird dabei, dass die Gebühren für den Friedhof nur einen Teil der Kosten sind, die auf die Angehörigen zukommt. Alle fragen zwar: Sind die Gebühren der Stadt für den Friedhof gerechtfertigt? Niemand aber: Sind die Gebühren, die die Bestatter für das ganze Drum und Dran erheben, vielleicht auch zu hoch? Denn die sind privatwirtschaftliche Unternehmen und subventionieren natürlich nichts – im Gegensatz zur Stadt.

Das öffentliche Geld, das die Stadt bislang jedes Jahr auf dem Friedhof versenkt hat, wäre tatsächlich besser bei den Lebenden aufgehoben. Bei den Kindern zum Beispiel, in Bildungseinrichtungen. Oder für kulturelle Angebote. Insofern sollten die Stadträte pietätvoll aber gleichzeitig auch realitätsnah die Gebühren für den Friedhof anheben, anstatt sich weiter zu weigern. Sterben ist schließlich eine ganz private Angelegenheit – auch in finanzieller Hinsicht.

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