Ignoranz
1
Von Marko Litzenberg · Veröffentlicht am 28. Nov 2009 - 10:26 Uhr
In mehr oder weniger regelmäßigen Abständen wird immer mal wieder klar, wie negativ doch ein Monopol ist – im Speziellen ein Monopol auf dem Medienmarkt in Aschersleben. Nur eine Tageszeitung am Ort, die “Mitteldeutsche Zeitung” mit ihrer Lokalausgabe “Ascherslebener Zeitung”, das bedeutet eigentlich eine besondere Verantwortung in einer demokratischen Gesellschaft. Eine Verantwortung, die die Kollegen, wohl aber eher die Führung im Verlag, in manchen Fällen nicht wahrnehmen möchte. Auch aus altem Konkurrenzdenken heraus.
Schriftlich wurde die Lokalredaktion nämlich mehrfach darum gebeten auf ihrer Termin-Seite, die täglich zumeist als letzte Seite im lokalen Buch erscheint, die Wende-Ausstellung im Grauen Hof und deren Öffnungszeiten als Hinweis aufzunehmen. Doch Fehlanzeige. Die Dauerausstellung im städtischen Museum wird zurecht täglich erwähnt, die Wende-Ausstellung, die seit 2 Wochen besucht werden kann, fehlt bis zum heutigen Tag. Wie gesagt: Trotz mehrfacher Bitten, den Hinweis aufzunehmen.
Woran kann diese Ignoranz liegen? Weil man jetzt Monopolist ist und deshalb auf die ehemalige Konkurrenz nicht hinweisen möchte? Schließlich beschäftigt sich die Ausstellung auch zu einem großen Teil mit der “Ascherslebener Allgemeine”. Oder weil es in der Ausstellung um die Wende 1989 geht, die das SED-Vorgänger-Blättchen der “Mitteldeutschen Zeitung”, die Freiheit, noch auf Seiten der real exisitierenden Sozialisten als “Zentralorgan der SED” erlebt hat?
Die “MZ” verliert, wie viele Tageszeitungen, stetig an Auflage. Symptom: Selbst die so wichtigen Todes- und Familienanzeigen werden hierzulande schon lange nicht mehr in der Tageszeitung geschaltet, weil Trauernde oder den Nachwuchs feiernde Angehörige damit einfach zu wenig Leute, resp. Leser in der Region, erreichen. In diese Lücke sind die Anzeigenblätter gestoßen, die frei in jeden Haushalt kommen. Allerdings platzbedingt nicht so umfassend journalistisch berichten können. Letztlich sind aber auch die Wochenblätter Töchter des gleichen Verlagshauses. Insofern wandert das Geld am Ende in die gleiche Tasche.
Eine Abwärtsspirale hat damit eingesetzt: Weniger Leute lesen die Tageszeitung, weniger schalten Anzeigen (vor allem Familienanzeigen), noch weniger lesen die Tageszeitung. Auf der Strecke bleibt der kritische Journalismus, der eigentlich für neue Leser und Abos sorgen könnte. Doch der kostet Geld für fähige Köpfe und Rechercheure! Mit sinkenden Anzeigeneinnahmen, kann man das aber nicht bezahlen.
Die gedruckte Tageszeitung am Ort ignoriert also nicht nur die lokalen Ausstellungen vor Ort, was im Großen und Ganzen nur eine kleine Sünde ist und mich persönlich ärgert, sondern ignoriert auch den allgemeinen Trend, dass eine papierne Tageszeitung im Zeitalter der elektronischen Medien kein zukunftsträchtiges Geschäftsmodell mehr ist. Das hat zuletzt auch der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest in einer Studie unter Jugendlichen (also den potenziellen zukünftigen Tageszeitungslesern) ermittelt. Titel der Studie: JIM 2009.
Besonders drastisch: Bei der Mediennutzung in der Freizeit spielt die Papier-Tageszeitung auf Rang 7 bei jungen Menschen nur noch eine untergeordnete Rolle. Die Online-Tageszeitung scheint momentan auch keine Rettung für die Zukunft zu sein. Sie schneidet noch schlechter ab. Eine interessante Grafik dazu gibt es hier.





Dies ist ein sehr interessanter Beitrag.
Welche Presse wird schon auf die – damals EINZIGE – Presse, welche die Wahrheit unbekümmert geschrieben hat hinweisen, noch dazu auf eine Ausstellung welche doch zur Diskussion über damals und heute anregt. Man stelle sich doch vor, es gäbe doch noch so etwas wie Pressefreiheit und Parteienunabhängigkeit in dieser DEMOKRATIE – Wichtig ist doch für die MZ: Bloß nicht anecken, immer mit dem gleichen Schema.
P.S. Die Ausstellung ist Klasse !!!