Besser online…

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Von Marko Litzenberg · Veröffentlicht am 17. Sep 2012 - 21:56 Uhr
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Matthias Moor kündigte sein Schiffsfester-Video als “Kulturschock” an, nachdem Uwe H. Martin seine Audio-Slideshow über Baumwollbauern in den USA vorgestellt hatte. Und in der Tat: Nach dem Einstieg mit solch einer Premium-Geschichte fühlte auch ich mich als lokaler Multimedia-Online-Mensch ganz klein. Gleichwohl einte die Podiumsgäste ein Punkt: Multimedia ist schön, wird aber von On- wie Offline-Medien als potenziellen Abnehmern nicht adäquat honoriert.

Die Mischung war schon etwas skurril: Da saß der Multimedia-Dozent Uwe H. Martin zusammen mit Schiffstester Matthias Morr, TAZ-Redakteurin Frauke Böger und meiner lokalen Unwichtigkeit aus der sachsen-anhaltinischen Netzprovinz in einem Podium und wir sollten vor knapp 70 Kollegen darüber reden, wie man multimedial – und natürlich “besser online” Stories erzählt. Wie der DJV darauf kam, gerade mich einzuladen, ist mir bis heute ein Geheimnis. Aber das “Nein-Sagen” fällt mir generell schwer – so auch, als mich die Einladung nach Bonn ereilte.

Der Erfolgreichste aus der Runde (in Zugriffszahlen gemessen) war wohl unbestritten Matthias Morr, der auf seinem Youtube-Channel Kreuzfahrtschiffe testet. Knapp 20.000 Abrufe erreichen seine Videos im Schnitt – viele sogar mehr. Da reicht selbst das mit einem Grimme-Online-Award ausgezeichnete Slideshow-Format von TAZ und der Agentur 2470media mit dem Titel “berlinfolgen” und seinen etwa 5000 Aufrufen pro Folge bei weitem nicht heran. Und auch Uwe H. Martins Multimedia-Geschichten wie “Texas Blues” sind super-schön anzusehen und anzuhören, aber der Allgemeinheit eben leider weitgehend unbekannt.
Von den Zugriffszahlen auf meine Videos rede ich an dieser Stelle jetzt mal gar nicht – die sind im Vergleich zu den Werken der Kollegen gefühlt sogar im Minus-Bereich.

Doch an Zahlen sollen wir Journalisten unsere Arbeit ja so sehr nicht festmachen – referierte Süddeutsche.de Chefredakteur Stefan Plöchinger in seinem Auftakt-Vortrag zur DJV-Konferenz “Besser Online” im Post-Tower in Bonn passend – was inzwischen auch hier nachzulesen ist.

Doch zurück zum Podium: Die Diskussion zum Thema “Multimediales Storytelling” scheiterte schon an der Definition “Multimedia”. Der eine glaubt, es ist die Verarbeitung verschiedener Medien (Bild, Text, Audio und Video) in einem Stück (so wie Uwe H. Martin es in seiner Baumwoll-Reportage praktiziert hat), der andere – ich – bezieht die fröhlich-neumodische Medienverwurstung eher auf EINE Geschichte – gesehen natürlich durch die Brille eines ausgebildeten Printers. Also ausgehend von einem klassisch geschriebenen Beitrag, der dann durch weitere Medien angereichert wird (eben Audio und Video etc.). Oder vom Radio ausgehend, könnte man natürlich einen gebauten Hörfunkbeitrag oder ein Audio-Interview, mit einem begleitenden Text, einer Bildershow oder/und einem Video informationell aufpeppen. Auch das ist vielmedial – ergo multimedial. Für mich.

Doch auf Diskussion war das Podium unter der Leitung von Jan Söfjer vom DJV auch gar nicht ausgelegt. Trotz der inhaltlichen und qualitativen Unterschiede im multimedialen Ouput einte uns doch alle eine Erkenntnis: Multimedia will zwar jeder haben/machen – ist aber ein journalistisches Gimmick, das sich einzig für einen lohnt – den Netznutzer, der so die eine oder andere Geschichte nett verpackt auf neue Art erleben kann. Doch gerade der ist oft nicht bereit dafür zu zahlen – auch wenn das Thema “Paid Content” in einem anderen Panel ergebnisoffen und lösungsfrei diskutiert wurde. Autoren und Produzenten buttern bei Multimedia ordentlich zu. Ob angekündigte Bezahlschranken der Verlage die Situation verbessern werden, muss sich erst noch herausstellen.

Die Autoren von vielmedialen Geschichten sind meist Idealisten: Egal ob es Uwe H. Martin ist, der in seine Baumwoll-Story – als Teil eines Projektes – 30.000 Euro investiert, aber nur 25.000 Euro wieder eingespielt hat. Preisliche Regionen, an die ich gar nicht denken kann und möchte (weil mir dabei ganz schwindelig wird). Aber auch mein kleiner Beitrag zur Multimedialisierung (ein Webvideo zum Beispiel) kostet ja ein bisschen was in der Herstellung. Wie viel genau habe ich noch nie ausgerechnet. Auf jeden Fall aber mehr als jene 50 Euro, die zum Beispiel die hiesige Regionalzeitung bereit ist, für so etwas zu zahlen. Mag sein, dass es Medienhäuser in den alten Bundesländern gibt, die etwas mehr Geld dafür in die Hand nehmen – “Schweinepreise” sind das allemal – was ich so offen auch gesagt habe. Preise, die die Multimedialisierung kaputt machen und Journalisten wenig Anreiz bieten, Geschichten mutig, neu und anders zu erzählen.

So gingen die Podiumsteilnehmer und vermutlich auch ein Großteil der Zuhörer nach eineinhalb Stunden mit dem Fazit auseinander: Die Multimedia-Macher machen Multimedia aus Spaß, maximal noch, um die eigene Marke zu stärken. Und dass es doch ganz schön wäre, wenn es mehr davon gäbe und die Medienhäuser Geld dafür hätten. Konjunktive allenthalben.

Ich für meinen Teil nehme mit: Audio-Slideshows wären auch eine schöne Bereicherung für das Multimedia- und Online-Angebot eine Radiosenders. Eine Erkenntnis, die ich allerdings nicht wirklich erst aus der Konferenz mitnahm – sondern schon früher in einem zufällig aufgeschnappten Tweet und Blogpost gelesen hatte. Jetzt wurde sie nochmal aufgefrischt.

Es ist noch vieles möglich und deshalb möchte ich mit zwei Zitaten aus Stefan Plöchingers Eröffnungsrede enden: “Die spannendsten Zeiten stehen uns noch bevor.”
Und: “Wir müssen jetzt darüber nachdenken, wie wir das Beste aus Online machen – weil die digitalen Medien unsere größte Chance sind, den Journalismus in die Zukunft zu bringen. Wir sollten nicht auf Verleger, Experten oder irgendwen anders warten. Wir müssen das selbst tun.”

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Besser online..., 4.1 out of 5 based on 8 ratings

Kommentare

4 Kommentare zu “Besser online…”

  1. Das ist der Trackback/Pingback eines anderen Weblogs

    Meine Eindrücke von der DJV-Tagung “Besser Online” in Bonn : schrieb am 17. Sep 2012 um 23:00 Uhr

    […] Marko Litzenberg hat seine Eindrücke vom Multimedia-Panel, bei dem er selbst auf dem Podium saß, ausführlich niedergeschrieben. […]

  2. Das ist der Trackback/Pingback eines anderen Weblogs

    Recap “Besser online 2012″: Die Zeit ist reif für Bezahlinhalte #djv_bo | take56 schrieb am 18. Sep 2012 um 09:59 Uhr

    […] Plöchinger dokumentiert seine Eröffnungsrede. Das sagt Sonja Kaute aka @Stiftblog und das Marko Litzenberg Ein Beitrag zur Konferenz bei DRadio Wissen UnterstützenGefällt mir:Gefällt mirSei der Erste dem […]

  3. Manfred Rütten schrieb am 20. Sep 2012 um 12:20 Uhr

    Sehr interessanter Artikel über ein schwieriges Thema.

  4. Gary Langendörfer schrieb am 27. Sep 2012 um 15:44 Uhr

    “Wir sollten nicht auf Verleger, Experten oder irgendwen anders warten. Wir müssen das selbst tun.”- Zitat s.o.- genau darum geht es, besonders da gerade die Bezahlung für freie Journalisten und VJs “schweinemäßig” ist und auch bleiben wird. Die Möglichkeiten sind auf jedenfall vorhanden, wenn sich die richtigen Leute zusammen tun….

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