Ägypten … Tag 1

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Von Marko Litzenberg · Veröffentlicht am 17. Dez 2011 - 17:08 Uhr
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300 Verletzte und neun Tote nach Ausschreitungen in Kairo, so die neusten Infos vom Samstag, 17.12., aus Ägypten. Wahlen, bei denen islamistische Gruppierungen Mehrheiten gewinnen, die den Tourismus einschränken wollen. Wie verträgt sich all das mit Anstrengungen, den Tourismus im Land der Pharaonen wieder anzukurbeln? Bei einer Pressereise wird eineblick versuchen, einige der Fragen bloggend zu beantworten.

(Dieser Blogbeitrag wird zwischen dem 18. und 21. Dezember 2011 laufend um Videos, Texte und Bilder ergänzt und aktualisiert! Ein vorbereitender Beitrag dazu erschien unter dem Titel “eineblick im Auslandseinsatz – mit Leser-Umfrage”.)

Tag 1 – 18.12.2011
Noch habe ich nicht viel von Ägypten gesehen, deshalb will ich meinen ersten Bericht aus dem Land am Nil doch eher kurz fassen. Zunächst: Leider bin ich schon leicht erkältet in Deutschland, genauer gesagt vom Airport Magdeburg-Cochstedt, losgeflogen. Die trockene Luft im Flieger während des fast fünfstündigen Fluges tat dann ihr übriges: Jetzt habe ich vollends eine Schniefnase. Und das bei diesem Wetter hier. Tagsüber 24 Grad, selbst nachts sind es noch immer 16 Grad. Also von Winter keine Spur. Doch damit genug von Gesundheits- und Wetterstatus.

Der Flug mit Air Germania nach Hurghada ging reibungslos vonstatten, wenn auch, typisch Low-Cost-Airline, etwas beengt im Beinbereich. Die Vertreter von Germania, die die Pressereise ebenfalls begleiten, gaben dann im Vier-Augen-Gespräch auch unumwunden zu: Der Sitzabstand ist für Menschen bis zu einer Körpergröße von 1,80 Meter optimiert. Mit 1,92 Meter wird es also ziemlich knirsch am Knie.

Die Einreiseformalitäten waren schnell, wenngleich etwas chaotisch, erledigt. Schon am Flughafen in Hurghada hatten die Reiseorganisatoren anscheinend für kulturelle Bespielung gesorgt. Jedenfalls wurde die Reisegruppe mit orientalischen Klängen im Flughafen-Foyer begrüßt. Nach dem doch recht anstrengenden Flug hatte aber kaum jemand Augen oder Ohren dafür.

Mit drei Bussen wurden die Reiseteilnehmer dann nach El Ghouna transportiert, ein Ort, der am roten Meer liegt und praktisch fast nur aus Hotels zu bestehen scheint. Ob das nun schön ist? Ich kann mir einfach noch kein Urteil erlauben, denn bei der Ankunft war es schon stockfinster. Man sah praktisch nur beleuchtete Hotelfassaden. Mehr nicht. Morgen gibt es aber mehr zu sehen.

Eine erste Pressekonferenz gab es aber schon. Vertreter des Airport Cochstedt bewarben darin ihr Engagement in der sachsen-anhaltinischen Pampa, ebenso die Airline Germania. Ein bisschen erinnerte es an diese Busfahrten für Rentner, auf der Vertreter dann Lama-Decken oder Topfsets an den Mann und die Frau bringen möchten. Nur nicht so aufdringlich.

Interessant war hingegen der Auftritt des Vertreters des ägyptischen Tourismusministeriums, Hisham Zaazou. Er erläuterte die Auswirkungen der Revolution in seinem Land auf den Tourismus und schien dabei recht ehrlich zu sein. Das Land leide tatsächlich unter Besucherschwund. So massiv, dass es durchaus spürbare Auswirkungen auf den Lebenstandard der Menschen hat. Zaazou regierte auch auf die Fragen der Journalisten, ob es denn wirklich sicher sei, in seinem Land. „Natürlich – die Touristen sind hier zu 100 Prozent sicher“, beteuerte er. Wenn das ein Ministeriumsvertreter sagt, dann ist das natürlich per se erstmal mit Vorsicht zu genießen.

Nach dem Abendessen ergab sich aber ein nettes Gespräch mit einem der Busbegleiter, der recht gut Deutsch spricht. Osama sei sein Vorname, verriet er und setzte hinzu: „Du musst aber keine Angst vor mir haben. Bin ganz lieber Mann.“ Ja, es kommen weniger Touristen, deutlich weniger, erzählte er. „Aber in unserem Land ist jetzt alles neu, neue Machthaber, neue Politik. Alles wird jetzt besser.“ Osama ist Optimist. Er hat auch keine Angst vor den in den Parlamentswahlen erstarkten Islamisten, den gemäßigteren von der Muslimbruderschaft und den konservativen Hardlinern, den so genannten Salafisten. Osama ist Realist: „Wir sind jetzt demokratisch. Wenn sie es nicht gut machen, dann werden sie beim nächsten Mal nicht wieder gewählt.“ Und außerdem, so erklärte er, wissen auch die Islamisten, dass Ägypten das Geld aus dem Tourismus braucht, dass das Volk den Tourismus braucht. Momentan sind fast 20 Prozent der jungen Ägypter arbeitslos. „Wir haben hier Natur und Kultur. Das sind unsere Stärken. Glaub mir, die Touristen nützen unserer Kultur mehr, als dass sie schaden.“ Osama ist auch Patriot.

Morgen nun, also am Montag, wird den mitreisenden Journalisten die Region rund um El Ghouna präsentiert – per Boot und Bus. Da gibt es dann mehr Bildmaterial.

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