Good bye Steve – Meine Apple-Story

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Von Marko Litzenberg · Veröffentlicht am 25. Aug 2011 - 10:35 Uhr
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Bekanntermaßen bin ich Mac-Nutzer, vielleicht sogar etwas mehr, nämlich ein so genannter “Apple-Fanboy”. Vor vielen Jahren hätte ich den Kopf über Menschen geschüttelt, die sich als “Fans” von Produkten bezeichnet hätten. Heute bin ich selbst einer von diesen. Und vieles davon hat auch mit Steve Jobs zu tun, dem charismatischen Gründer des Unternehmens, der heute aus gesundheitlichen Gründen seinen Rücktritt als Apple-Chef bekannt gegeben hat.

Ich kenne den Mann nicht persönlich. Wahrscheinlich sollte ich auch froh darüber sein, denn wenn über ihn geschrieben wird, dann ist zwar immer von seiner Ausstrahlung als Visionär der IT-Branche die Rede, aber auch davon, dass er menschlich wohl oft schwierig sein konnte. Und doch war ich etwas entsetzt darüber, als ich am Morgen vom Rücktritt Steve Jobs’ als Apple-CEO las. Und es war mal wieder Anlass, um über den eigenen digitalen Werdegang nachzudenken, der für mich untrennbar mir Apple verbunden ist.

1992 schon hatte ich den ersten Kontakt zu Rechnern aus Cupertino. Während der Volontärsausbildung in der Journalistenschule “Haus Busch” in Hagen gestalteten wir jungen angehenden Redakteure eine Zeitung zum Abschluss des 123. Volontärskurses, in dem ich einen Teil des Handwerks lernte. Ein junger Kollege aus Paderborn und ich, wir waren für die Gestaltung und den Satz dieser kleinen Zeitung zuständig. Ein Mac stand uns zur Verfügung und eine frühe Version des Layoutprogramms “QuarkXpress”. Mein Mit-Volontär war eigentlich angehender Redakteur bei einer Computerzeitschrift mit dem Titel “PC pur”. Als es kurz vor Redaktionsschluss noch ein kleines weißes Loch in dem Abschlussblättchen namens “Buschtrommel” gab, da füllte er es mit folgenden Worten: “Komme ja eigentlich von ‘PC pur’ und hab hier das erste Mal an einem Apple gesessen. Ich glaube ich arbeite in Zukunft lieber für ‘Apple pur'”.

1993 dann, bei einem längeren Aufenthalt in den USA, der mich trampend auch durch Kalifornien führte, nahm mich ein Mann in seinem total verdreckten Wagen mit. Chipstüten lagen im Innenraum verteilt, Zigarettenkippen und -schachteln – es war nicht sehr angenehm. Aber der Kerl war ein netter, langhaariger Typ, der mich auf meiner Reise ein Stück mitnahm – und als Tramper kann man auch nicht sehr wählerisch sein. Wir kamen ins Gespräch und er berichtete mir, dass er Programmierer bei Apple sei. Er lud mich, weil es spät war, sogar dazu ein, bei ihm und seiner Familie zu übernachten. Ich nahm an und lernte so den ersten “Nerd” kennen. Seine Bude sah nicht viel besser aus als sein Auto – nur dass sie eben noch mit Computern vollgestopft war. Dazwischen eine Frau, zwei Kinder und ein paar Katzen. Vom Gästeschlafsofa wurden noch schnell stapelweise Computerzeitschriften weggeräumt, damit ich den versprochenen Ruheplatz auch nutzen konnte.

Danach, zurück in Deutschland, geriet Apple für mich erst einmal ein bisschen in Vergessenheit. Ich wurde Windows-Nutzer, stieg wie die meisten über die Jahre von Windows 3.11 auf Windows 95 und 98 um, immer installiert auf grauen Kisten die mehr schlecht als recht funktionierten. 1999 dann, Steve Jobs war zwei Jahre zuvor an die Spitze von Apple zurückgekehrt und hatte mit farbigen iMacs eine neue Generation von Computern vorgestellt, da bot sich mir die Chance zum Umstieg. Mein erster eigener iMac wurde ein Knubbel-iMac G3, nicht in der klassischen Farbe “BondiBlue” aber dafür in “Grape”, das mehr ein dunkles Lila war. Auch das war ganz kleidsam auf dem Schreibtisch. Fortan kam mir kein Windows-Computer mehr ins Haus. Warum auch: Der Mac funktionierte prima, ohne dass man daran herumschrauben musste.

Zwangsweise sollte ich bei einem Arbeits-Intermezzo Anfang des neuen Jahrtausends in der Kreisverwaltung des Landkreises Aschersleben-Staßfurt wieder an Windows arbeiten, noch dazu einem von der EDV-Abteilung sehr eingeschränkten System. Dem täglichen Brechreiz, der sich vor diesen Kisten inzwischen einstellte, entging ich, indem ich (ja, verbotenerweise) meinen eigenen Rechner mitbrachte und (noch viel verbotener) problemlos ins Netzwerk einband – inzwischen war ein mobiler Mac, ein Powerbook G4, in den privaten Technikfuhrpark aufgenommen worden. Das blieb freilich nicht unentdeckt und machte mich bei den EDV-Fuzzis zur “persona non grata” – mir war das aber ziemlich Wurscht.

Vom einfachen Mac-Nutzer war ich mittlerweile zum Jünger geworden, zum Missionar in Sachen Apple. Manche empfanden das als peinlich – ich heute mit zunehmendem Alter und Abstand übrigens auch. Aber ich war nicht ganz unerfolgreich damit. Kollegen stiegen auf Macs um, dem damaligen Landrat Thomas Leimbach verschaffte ich für seine damalige Reise in die USA leihweise einen Apple-Laptop, mit dem er auch in der Ferne mit der Heimat in Kontakt bleiben konnte. Auf dem Schreibtisch des damaligen Leiters der Landrats-Stabsstelle, Ulf-Peter Freund, stand zeitweise ein geliehener Apple-Cube.

Landrat Thomas Leimbach schrieb sogar an Apple Deutschland, um einen Umstieg der Kreisverwaltung auf Apple-Rechner auszuloten. Es scheiterte schließlich am Geld und sicher auch am internen Widerstand im Landratsamt. Leimbach verließ schließlich seinen Posten, ging als Präsident zum Landesverwaltungsamt. Apple blieb ihm aber irgendwie erhalten – heute ist er stolzer Besitzer eines iPad. Kurz nach ihm verließ auch ich die Kreisverwaltung und wurde wieder freier Journalist. 2003 organisierte ich zudem ein großes Mac-Nutzer-Treffen in Aschersleben, eine frühe Form der heute “Barcamp” genannten Veranstaltungen, zu dem über 100 Gleichgesinnte aus ganz Deutschland kamen.

Und heute? Mein missionarischer Eifer hat etwas nachgelassen. Schließlich muss jeder selbst wissen, ob er seine Lebenszeit am Computer mit sinnvoller Arbeit verbringen möchte, oder sich lieber mit Windows rumärgern will… Der Mac hat sich auch so in meinem Umfeld durchgesetzt. Immer mehr Freunde nutzen ihn, das iPhone ist allgegenwärtig und immer mehr iPads tummeln sich im Bekannten- und Freundeskreis.

Meine eigene Apple-Historie ist praktisch ein Abbild der Produktpalette des kalifornischen Unternehmens der vergangenen 13 Jahre: iMac G3 Grape, iBook G3, Powerbook G4 12 Zoll, iMac G4 (übrigens für mich bis heute der schönste, auch Lampen-iMac genannt, und immernoch in Betrieb), iMac G5, Intel-iMac 24 Zoll und aktuell ein iMac 27 Zoll QuadCore i5. Hinzu kamen die anderen Gadgets aus dem Hause Apple: ein iPod der 1. Generation, iPod Photo (bis heute im Einsatz), iPod Nano in verschiedenen Generationen bis hin zum winzigen iPod shuffle. Am 9. November 2007, als das iPhone in Deutschland eingeführt wurde, stand ich natürlich als einer der ersten Kunden vor einem Telekom-Laden in Magdeburg, um mir eins zu besorgen – zum Glück konnte ich hier berufliche und private Interessen miteinander verbinden (angehängt ist mein Radio-Beitrag zur iPhone-Einführung). Heute ist es natürlich ein aktuelles Modell. Und last but not least ein iPad.

Wozu wurde aber all das Geld in die Technik gesteckt? Weil sie, die Technik, (in den meisten Fällen) schnell auch wieder ihr Geld verdiente: mit Radiobeiträgen, die daran entstehen, mit Videos und DVDs und schließlich auch mit einer iPad-App für eineblick. Vieles davon, so wird man mir vorhalten können, geht auch mit Windows-Rechnern. Durchaus. Aber nichts davon wäre mir ganz persönlich so leicht von der Hand gegangen, wie mit einem Mac. Und auch wenn der Apple-Chef Steve Jobs mit seinen Ideen nur einer von vielen kreativen Apple-Leuten ist, irgendwie wird seine Apple-Geschichte immer auch ein bisschen meine sein.
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Kommentare

1 Kommentar zu “Good bye Steve – Meine Apple-Story”

  1. Friedemann Groth schrieb am 14. Sep 2011 um 16:43 Uhr

    Nachdem mein iPod Photo das zeitliche gesegnet hat, habe ich mir letztes Jahr einen iPod der dritten Generation gekauft, die kaputte Festplatte durch eine CF-Karte ersetzt und letzte Woche einen neuen und größeren Akku verpasst.

    Zwischendurch hatte ich auch mal ein iBook G4. Leider deckt die Produktpalette nie alles ab, deswegen ist es momentan ein “normaler” Laptop.

    Aber das iPhone geb ich nicht mehr her, auch wenn es nach dem Jailbreak erst so richtig läuft.

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