Dann will ich mal eine Story tellen

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Von Marko Litzenberg · Veröffentlicht am 19. Feb 2011 - 18:36 Uhr
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Wie sollten im Netz Geschichten erzählt werden? “Story-Telling”, nennt sich das Neudeutsch. Es ist eines dieser Worte, das hier beim Videocamp in Essen wie ein Nebel durch die Vortragsräume wabert. Und die Teilnehmer stochern alle mal ein bisschen darin herum. So zumindest begann der Samstag, der erste Webvideotag. Viele Webvideo-Interessierte und -Macher sind gekommen. Alles ist professionell organisiert. Und doch gibt es – zumindest für mich – bislang ein Inhaltsproblem. Worüber reden wir hier eigentlich?

Um es vorweg zu nehmen: die Vorträge waren bislang alle insgesamt interessant. Christoph Krachten, Moderator beim Youtube-Kanal clixoom, stellte zunächst die Frage, wie weit das Story-Telling im Web gehen kann, darf oder soll. Eine Frage, deren Beantwortung zunächst an der Definition des neudeutschen Begriffes scheiterte. Es wurde viel diskutiert, Webvideo mit Fernsehen verglichen, Bestandsaufnahme gemacht, Meinung ausgetauscht. Und doch blieb die Runde, bei allen interessanten Einzel-Impulsen, im Theoretischen hängen. Webvideo muss authentisch sein, das war eine Schlussaussage. Zumindest besteht die Chance, dass der Internetfilm näher dran sein kann an der Realität und davon profitieren kann, dass er von zeitlichen und programmschematischen Zwängen befreit ist. Zwänge, die im TV oft Form und Inhalt eines Beitrages vorgeben. Immerhin ein kleiner Lichtblick – vielleicht wird das Thema am morgigen Sonntag noch vertieft.

Der zweite Vortrag zum Thema “Geschichtenerzählen” war eine informative Auffrischung von journalistischen Grundlagen. Eine schöne Ergänzung zu der sich verlaufenden Diskussion über das “Story-Telling”.

Sascha Pallenberg, der auch kommerziell erfolgreich über Netbooks bloggt und Videos über dieses Thema bei Youtube einstellt, fesselte die Zuhörer mit markigen Sprüchen und teilte seine Erfahrungen mit den Teilnehmern. Ernüchternd war das vor allem für jene, die Videos ins Netz stellen, die weniger als 30.000 Aufrufe haben (wie eineblick.de in den meisten Fällen). Das erzeugte ein bisschen Minderwertigkeitsgefühle – aber nur kurz. Themen aus Aschersleben interessieren von Hause aus eben weniger Menschen, als das neuste Technik-Dingsbums oder wie es fabrikfrisch ausgepackt wird.

Danach schloss ich mich einer Diskussionsrunde zum Thema “Qualitätsjournalismus” an. Auch das ein interessantes Gesprächsfeld, denn die Vorstellungen von genau diesem Qualitätsjournalismus gehen mitunter weit auseinander.

Obwohl das Videocamp bei mir bislang einen ambivalenten Eindruck hinterließ, zumindest einen anderen als beim Videocamp im Juni, ist es bis jetzt vor allem durch die persönlichen Gespräche ein großer Gewinn. Mal sehen was noch passiert – ich bleibe gespannt.

Update: Einige schnell (quick and dirty) zusammengeschnittene Filmsequenzen vom ersten Videocamptag sind am Ende dieses Beitrags zu sehen. Auch andere Teilnehmer des Treffens in Essen waren schon fleißig, wie zum Beispiel Markus Fuchs mit einem Text in seinem Blog (an den ein Video mit Camp-Mitorganisator Markus Hündgen angehängt ist). Fuchs wird mit seinem Kollegen Winfried Laasch für 3sat-Neues von den Webvideotagen berichten.


 
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