Fazit im Podium: Mehr einmischen! (+Video)

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Von Marko Litzenberg · Veröffentlicht am 20. Nov 2009 - 22:40 Uhr
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Eine Bilanz wollten sie ziehen, die Gäste der Podiumsdiskussion im Grauen Hof am Freitag, 20. November. Moderiert durch Pfarrer Matthias Büdke und radio-hbw-Mitarbeiter Tom Gräbe ließen sich die Diskutanten die eine oder andere Wende-Anekdote entlocken. Das Bilanzziehen kam bei all den Erinnerungen, die aufgefrischt wurden, zwar kurz, aber dennoch kann man die Debatte durchaus als gelungen bezeichnen.

Podiumsgäste und Moderatoren frischten noch einmal Wendeerinnerungen auf und zogen eine Bilanz.

Im Podium saßen (v.l.n.r. auf dem Foto): Ulrike Preden, Magnus Koschig, Dr. Norbert Jahn, Matthias Büdke, Tom Gräbe, Reinhard Fach, Dr. Detlef Haase.

Wie soll man eine Bilanz ziehen, ohne sich zu erinnern? Diese schwierige Frage haben sich auch die Moderatoren der Podiumsdiskussion gestellt und widmeten sich vor voll besetztem Veranstaltungssaal im Grauen Hof vor allem den Empfindungen und Erinnerungen der Podiumsgäste während der Wendemonate von 1989 bis 1990.

Interessant dabei war auch zu hören, dass manche richtiggehend Angst hatten, an den ersten Demos in Aschersleben teilzunehmen, andere mutig voranschritten und wieder andere keine Veranlassung sahen, beunruhigt zu sein. Von der Utopie, die DDR zu verändern, war da die Rede, von viel zu schnellen Entwicklungen, bei denen “jeden Tag etwas Neues auf uns zukam”.

Aber es herrschte auch Einigkeit darüber, dass das untergegangene Regime “moralisch und politisch” am Ende war – wirtschaftlich natürlich auch. Und dass die Menschen heutzutage die Demokratie richtig ausnutzen und mitgestalten sollten, indem sie sich zum Beispiel in das System einbringen. Den einen Podiumsgast machte es “traurig”, den anderen “unglücklich”, dass das bürgerschaftliche Engagement so nachgelassen habe – in Zahlen negativ manifestiert bei der Beteiligung an den demokratischen Wahlen.

Und das war dann auch das Fazit der Podiumsdiskussion: Dass die Menschen sich mehr einmischen, mehr mitgestalten müssten, anstatt alles wieder auf den Staat zu schieben.

Die Veranstaltung, ausgerichtet im Rahmen der Wendeausstellung im Grauen Hof (siehe Beitrag “Ausstellung “Wende in Aschersleben” eröffnet“), war durchaus interessant und kurzweilig, weil sich einige Podiumsgäste auch nette Wendeanekdoten entlocken ließen, und weil man sich mit Respekt und Interesse begegnete.

Für eineblick.de wurde die eineinhalbstündige Diskussion komplett auf Video aufgezeichnet. Der Mitschnitt kann hier angesehen werden (schnelle Internetverbindung ist erforderlich).


 

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Kommentare

7 Kommentare zu “Fazit im Podium: Mehr einmischen! (+Video)”

  1. Inge schrieb am 23. Nov 2009 um 14:54 Uhr

    Ein Lob für die Podiumsdiskussion! So etwas ist nämlich sehr schwierig zu moderieren!
    Alle Teilnehmer haben sich neben dem wie immer souveränen Haase gut „geschlagen“.
    Auf den Stühlen zwischen Kirche und SED hätte man sich als lokale Zeitzeugen auch vorstellen können: die Eheleute E. und R., s. Behnke/Fuchs (Hrsg.) „Zersetzung der Seele“, Rotbuch Taschenbuch 1015, s. 296-302.
    Dann wäre wohl aber die allgemeine Fröhlichkeit etwas getrübt worden….

  2. Martin Lampadius schrieb am 23. Nov 2009 um 15:39 Uhr

    Behnke/Fuchs (Hrsg.) „Zersetzung der Seele“, Rotbuch Taschenbuch 1015, s. 296-302.

    Buch ist im Fachhandel und bei Amazon vergriffen. Ich würde es gerne mal lesen. Wer kann da helfen?

  3. Marko Litzenberg schrieb am 23. Nov 2009 um 16:01 Uhr

    Ja, würde mich auch interessieren. Vielleicht kann die kommentierfreudige Inge ja die entsprechenden Seiten mal scannen…??

  4. Detlef schrieb am 23. Nov 2009 um 17:34 Uhr

    Hallo Martin,

    versuch es doch mal hier:

    http://www.amazon.de/gp/offer-listing/3880223653/ref=dp_olp_0?ie=UTF8&qid=1258993649&sr=1-1&condition=all

    da sind offensichtlich noch zwei Exemplare von privat zu haben.

  5. Inge schrieb am 25. Nov 2009 um 19:53 Uhr

    2 Nachträge:
    Stichworte DDR-Nomenklatura, Stasi

    1. bei Minute 32:55 des Videos der Podiumsdiskussion: Rührend oder dreist?: „Ich weiß von nichts!“ (…, mein Name ist H.)
    Die Frage nach Abfindungen/Startkapital für die DDR-Nomenklatura aus dem unterschlagenen SED-Vermögen bleibt also ebenso unbeantwortet wie die Frage nach dem im Landkreis gewaschenen SED- Kapital.
    War wohl nicht anders zu erwarten.

    2. In dem genannten Buch „Zersetzung der Seele“, Rotbuch, 2.Aufl.1995 schildert die ehemalige Ermslebener Pfarrerin Karin Elmer, wie sie und ihr Mann – ebenfalls Pfarrer – jahrelang (auch unter Ausnutzung eines Therapieverhältnisses) durch IMB/IMV “Schellenberg” bespitzelt wurden.
    Kleiner Auszug aus dem Bericht des IMV „Schellenberg“, zusammengefasst von Oberleutnant Wabra: (OPK „Schwarz“): „Die Elmer ist dem IMV bekannt, da sie im St. Stephanikirchenchor mitsingt u. dabei ihren Platz neben dem IM hat. Der Gatte des IM kennt den Ehemann der Schwester des Elmer und deshalb ist es für den IM möglich, hier eine Verbindung aufzubauen, auch zu erreichen, daß die Elmer in Ermsleben den IM und Mann einladen.“
    Und weiter:
    “Bei der Auftragserfüllung hat der IMV auszunutzen, daß Frau E. der Patient des IMV ist u. psychologisch beraten wird. Es ist ein Vertrauensverhältnis zu schaffen, damit die E. sich anvertraut.“
    Was dann auch geschah. Eine eindrucksvolle Schilderung auf insgesamt 7 Seiten!
    Dummerweise misslang später der Versuch guter Freunde, u.a. der damaligen XXXXXXXXXXXXXXXXXX, IMV/IMB “Schellenberg” dauerhaft im öffentlichen Dienst unterzubringen.
    XXXXXXXXXXXXXXXXXXX

    ————–

    Anmerkung: Der Punkt 2 des Kommentars wurde von mir aufgrund der strittigen Rechtslage zur Nennung von IM-Klarnamen in der Öffentlichkeit sowie einiger nicht bewiesener/beweisbarer Anschuldigungen seitens des Kommentar-Autors “Inge” geringfügig verändert. Änderungen wurden kursiv markiert, Löschungen mit XXXX
    Erläuterung: IMV und IMB bezeichnen die gleiche Kategorie von Stasi-IM.
    IMV=Inoffizieller Mitarbeiter mit vertraulichen Beziehungen zur bearbeiteten Person – 1979 abgelöst durch die Kategorie IMB
    IMB=Inoffizieller Mitarbeiter der Abwehr mit Feindverbindung bzw. zur unmittelbaren Bearbeitung im Verdacht der Feindtätigkeit stehender Personen

    Marko Litzenberg – marko (at) litzenberg.de

  6. Dr. Detlef Haase schrieb am 26. Nov 2009 um 07:18 Uhr

    Ungern kommentiere ich Kommentare. Der “Eineblick” ist ja wohl keine Online-Diskussionsplattform.
    Wahrheit sollte aber schon Wahrheit bleiben. Wenn hier im Schutze der Anonymität behauptet wird, vor 20 Jahren und danach wäre an einstige hauptamtliche SED-Mitarbeiter Abfindungen, Startkapital etc. ausgereicht worden bzw. im einstigen Altlandkreis Aschersleben bzw. ASL-Stassfurt wäre schmutziges SED-Vermögen gewaschen worden, so möge man Ross und Reiter nennen. Ansonsten ist es einfach eine pauschale Unterstellung und Diffamierung!

  7. Inge schrieb am 26. Nov 2009 um 14:09 Uhr

    Immer noch Zensur, Angst vor der Stasi („Diffamierung“!) und ihren gut beschäftigten Juristen!
    Na gut, jeder weiß hier inzwischen, wer gemeint war.
    Die Wertigkeit der Persönlichkeitsrechte der Täter ist eben (unabhängig vom Rechtsgebiet) in Deutschland immer noch höher als die der Opfer.
    Das genannte Buch, aus dem zitiert wurde, ist übrigens – im Gegensatz z.B. zur 1. Auflage 2007 von „Havemann“, Suhrkamp – nicht eingestampft oder verboten worden. Es darf daraus mit Einwilligung der Autoren ungestraft zitiert werden.
    Hier noch interessanter Lesestoff (Quelle: Humanistische Union):
    http://www.humanistische-union.de/themen/rechtspolitik/rechtspolitik_detail/back/rechtspolitik/article/verklagt-verschmaeht-verboten/

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