160.000 Euro für eine Kartoffel

1

Von Marko Litzenberg · Veröffentlicht am 14. Mai 2009 - 12:56 Uhr
Shortlink für diesen Beitrag: http://www.ebasl.de/5ah


Heute wurde ein Kunstwerk vorgestellt, das seinen Standort im Ascherslebener Stadtpark finden soll: eine riesige, drei Meter hohe und über drei Tonnen schwere Kartoffel. Kartoffel ist dabei nicht abwertend gemeint, sondern die Inspiration zu dem Kunstwerk war die wissenschaftliche Darstellung der Erde durch das Geoforschungszentrum Potsdam, die in der Fachwelt tatsächlich “Potsdamer Kartoffel” heißt. Den Ankauf der Bronzeskulptur lässt sich die Stadt 160.000 Euro kosten.

Der Universalgelehrte Adam Olearius ist nicht nur Pate der kommenden Landesgartenschau in Aschersleben, er war im 17. Jahrhundert auch der Erfinder des Gottorfer Globus. Das ist die erste wissenschaftliche Darstellung der Erde aus der Sicht der damaligen Zeit und gilt zudem als erstes begehbares Planetarium. Heute ist das Bild der Erde dank moderner Wissenschaft natürlich ein anderes.

Der "Ascherslebener Globus" wird einer Kartoffel ähneln, drei Meter hoch und drei Tonnen schwer sein. Seinen Platz bekommt das Kunstwerk im Stadtpark. Bild: Stadt AscherslebenDie Erde, das ist bekannt, ist keine Kugel, sondern eher ein Elipsoid, also am Äquator etwas ausgebeult. Das ist zumindest die optisch-geometrische Form. Nimmt man nun aber Daten der Geoforscher, die die Schwerkraft der Erde mit Satelliten gemessen haben, dann ist die Erde eine Kartoffel, voller Beulen und Löcher. Je nach Masseverteilung im Erdinnern ist die Schwerkraft der Erde nämlich unterschiedlich. Mit bloßem Auge ist das nicht mal aus dem Weltraum zu sehen. Die Messdaten der Satelliten jedoch kann man in ein Bild umsetzen – das nun mal einer Kartoffel ähnelt. Das Geoforschungszentrum Potsdam hat so ein Bild erstellt und lieferte damit vielen anderen Wissenschaftlern die Grundlage für ihre Arbeit. Zum Beispiel werden die “Kartoffel-Daten” genutzt, um Navigationsgeräte genauer arbeiten zu lassen, oder Klimaforschung zu betrieben.

Der Berliner Künstler Oliver Störmer hat sich die Idee eines Globus von Adam Olearius angesehen (ein Nachbau des Gottorfer Globus steht heute in Schleswig, das Original in St. Peterburg), dazu die Geodaten des GFZ in Potsdam genommen und herauskommen wird zur Landesgartenschau ein Kunstwerk, das die Zeit von Olearius und die Moderne verbindet: ein Globus in Form der Potsdamer Kartoffel. In Bronze gegossen, drei Meter hoch, mehr als drei Tonnen schwer wird der “Ascherslebener Globus” sein. Seinen Platz bekommt er zur LAGA 2010 im Zentrum des Stadtparks inmitten der Pflanzenbibliothek, die dort angelegt wird. Auch das ist eine Verbindung ins Barock, denn damals standen große Globen ebenfalls im Zentrum von Bibliotheken – und stehen sie manchmal heute noch.

Das Kunstwerk bedarf sicher einiger wissenschaftlicher Erklärungen. Franz Ossing, Referent für Öffentlichkeitsarbeit des GFZ Potsdam, sagte bei der Präsentation des Projektes, die heute am 14. Mai 2009 um 11 Uhr im Grauen Hof stattfand, seine Unterstützung dabei zu. Dass das Werk einige Kontroversen in der Bevölkerung auslösen wird, denkt Künstler Oliver Störmer nicht. Sollte es aber dazu kommen, “dann stelle ich mich diesen Kontroversen gerne”, sagte er. “Ich glaube aber, dass die Gartenschaubesucher es in erster Linie schön finden werden”, so Störmer weiter.

Hergestellt wird der “Ascherslebener Globus” auf Grundlage der wissenschaftlichen dreidimensionalen Daten des GFZ. Diese werden zunächst in eine Art Styropormodel gefräst, die Bronzegießer werden daraus dann den endgültigen Globus machen, dem der Künstler danach mittels Feinarbeit seine Handschrift aufdrücken möchte. Aufgestellt wird das Kunstwerk wohl erst kurz vor der Landesgartenschau im kommenden Jahr. Die Stadt hat allerdings jetzt schon beschlossen, den Ascherslebener Globus anzukaufen – für stolze 160.000 Euro.

Haben Sie eine Meinung zu diesem Thema, dann hinterlassen Sie unter diesem Beitrag einfach einen Kommentar.

[ratings]

VN:F [1.9.11_1134]
Bitte bewerten Sie den Beitrag (viele Sterne = sehr gute Bewertung)
Ergebnisse: 3.0/5 (1 Stimme abgegeben)
160.000 Euro für eine Kartoffel, 3.0 out of 5 based on 1 rating

Kommentare

1 Kommentar zu “160.000 Euro für eine Kartoffel”

  1. Ete schrieb am 15. Mai 2009 um 00:20 Uhr

    Soviel geld für soetwas geschmackloses naja unsere stadt hat es ja.

    Aber ansonsten tolle seite weiter so.

Gibt es was zu Kommentieren?